TrekMovie.com: Fangen wir mit der dritten Staffel von "Star Trek: The Next Generation" an. Zu der Zeit sind Sie zu der Serie gekommen. Viele halten diese Phase, als Michael Piller als Showrunner übernommen hat, für eine entscheidende Zeit. Es gab viele Veränderungen und viele große Folgen kamen in dem Jahr. War es ein bewusster Versuch, die Serie zu verändern?
Ron Moore: Ja, ich glaube, Michael Piller hat das als seine Aufgabe gesehen. Ich weiß nicht, ob es ein Auftrag von Gene Roddenberry war, der zu der Zeit noch stark in die Produktion involviert war. Und Rick Berman war damals vor Ort. Es waren also Gene, Michael und Rick, die bei der Staffel verantwortlich waren. Ich glaube nicht, dass es eine Anweisung von Gene gab, die Serie zu verändern. Ich glaube, Michael als Autor war einfach nicht damit zufrieden, wie die Serie in den ersten beiden Staffeln war.
TrekMovie.com: Sie haben Wert auf durchlaufende Handlungsfäden gelegt, das war in den frühen Neunzigern noch eine relativ neue Idee für Fernsehserien, besonders für "Star Trek". Wurde das allgemein begrüßt oder haben Sie das eingeschmuggelt und niemand hat es bemerkt?
Ron Moore: Ich erinnere mich daran, als wir über das Ende der Folge "Sins of the Father" gesprochen haben. In der Episode begann die Handlung um die Klingonen. Worf verlor seine Ehre und musste die Heimatwelt verlassen. Ich saß mit Rick und Michael in Ricks Büro und wir kamen irgendwie darauf... Ich sagte, dass ich das Ende gerne so mehrdeutig lassen würde, damit wir später darauf zurückkommen könnten und Rick sagte: "Okay." Und das war es auch schon, was es an Diskussion gab. Aber für größere Handlungsbögen hat das wirklich die Tür aufgestoßen. Ich glaube jedoch nicht, dass das als große Sache angesehen wurde oder als große Veränderung der Serie. Aber wir haben weitergemacht. Michael legte Wert darauf, mit den Charakteren zu arbeiten und das begann die Serie unvermeidbar in eine Richtung zu drücken, in der die Kontinuität viel enger war und es begannen fast schon die ersten Handlungsbögen. Wenn man anfängt, die Beziehungen zwischen den Charakteren zu entwickeln und sie als Charaktere weiterentwickelt, dann möchte man das in der nächsten Geschichte fortsetzen. Und man möchte lose Enden aufgreifen. Die Autoren möchten Fäden aufgreifen, die vor drei Folgen gelegt wurden.
Und dann geht der Kampf los. Man kommt an einen Punkt, an dem die ersten Memos ankommen nach dem Motto: "Das ist zu sehr aufeinander aufbauend - wir machen das nicht so." "Das Studio möchte das in beliebiger Reihenfolge an lokale Sender verkaufen und denen bindet man die Hände. Wenn sie die Folgen in irgendeiner Reihenfolge senden wollen, dann können wir sie nicht in eine Situation bringen, in der sie eine bestimmte Reihenfolge einhalten müssen. Also hört auf damit."
Aber wir haben nie wirklich aufgehört. Wir haben einfach mehr und mehr und mehr eingeschmuggelt und haben versucht, größere Bögen zu machen, denn dann war es interessanter zu schreiben. Wenn man sich einmal dazu entschlossen hat, dass es um die Charaktere gehen soll, dann ist es schwer, das ohne eine Reihenfolge zu machen und ohne Kontinuität.
Wenn man die Beziehung zwischen Riker und Troi in dieser Folge verändert und dann nächste Woche nicht beachtet wird, was man in der Vorwoche gesehen hat, dann macht das keinen Sinn. Plot dagegen ist für sich viel einfacher. Die Enterprise taucht auf, es gibt eine Geschichte mit einigen Außerirdischen, irgendeine Krise, die Enterprise fliegt weg und man hat nie wieder mit den Außerirdischen zu tun. Aber die Charaktere verändern sich von Woche zu Woche. Die Zuschauer erwarten (und die Autoren wollen das auch), dass die Veränderungen, die man mit den Charakteren anstellt, auch in der nächsten Woche wieder ausgespielt werden. Es gab also ein Spannungsfeld zwischen einerseits der Tatsache, dass wir eine charakterorientierte Serie gemacht haben und dem Druck andererseits, die Reihenfolge nicht zu wichtig werden zu lassen. Damit haben wir mal mehr, mal weniger erfolgreich gerungen.
Lesezeichen