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Caprica City
"Battlestar Galactica" ist endlich wieder zurück, und auch die zweite Folge der letzten Hälfte, "A Disquiet Follows My Soul" (4.12), wirft einige Fragen auf und stärkt vor allem die Erwartungen auf die nächste Folge.
Maureen Ryan, TV-Bloggerin für die Chicago Tribune, unterhielt sich mit Ronald D. Moore über diese Episode. Dieser nutzte die Gelegenheit, seine Entscheidungen zu erklären.
Dieses Interview enthält
schwere Spoiler für "A Disquiet Follows My Soul"!
Maureen Ryan: Wir scheinen ein Spiegelbild dessen zu Gesicht zu bekommen, was in der Welt der Zylonen geschehen ist - es gibt Risse und verschiedene Gruppierungen entstehen und werden zu Todfeinden. Ist es das, was geschieht? Es scheint eine wirkliche "Unruhe" in der Flotte zu geben, besonders, was die Allianz mit den Zylonen anbelangt.
Ron Moore: Seitdem gezeigt wurde, dass die Erde ein Traum zu sein scheint, ein Traum, der nicht wahr werden würde, wenden sich einige ab und gehen ein Bündnis mit den Zylonen ein - aber nicht jeder möchte da mitmachen. Es schien nur natürlich, dass diese Meinungsverschiedenheiten noch stärker werden würden und die Leute wirklich anfangen würden, ihre Führer in Frage zu stellen.
Adama und Laura haben uns wohin geführt? Warum sollten wir ihnen noch zuhören? Warum sollten wir glauben, dass sie wissen, worüber sie reden? Jetzt bitten sie uns darum, eine Allianz mit den Zylonen zu bilden? Mit den Zylonen? Nach allem, was passiert ist? Es scheint, dass die Flotte dieses Thema schon abgeschlossen hätte, wenn sie sich so auseinanderentwickelt.
Maureen Ryan: Ich hatte das Gefühl, dass sich Adama extrem schnell entschieden hat. Denkt er einfach nur, dass es hier eben um das Überleben geht, und man eben zu tun hat, was man tun muss?
Ron Moore: Ich glaube, neben seinem Idealismus besaß Adama auch immer einen hohen Grad an Pragmatik. Nachdem er einmal beschlossen hatte, ins CIC zurückzukehren, am Ende von "Sometimes a Great Notion", hat er sich der Idee hingegeben, sich mit etwas weniger zufriedenzugeben, als man erwartet hätte. "Wir werden irgendwie überleben, wir suchen einen Ort, an dem wir überleben können, und ich werde alles tun, um diesen Ort zu finden."
Jetzt, da er wieder mittendrin ist, wie viele Kompromisse will er da eingehen? "Die Zylonen, okay, wir haben eine Allianz mit ihnen. In Ordnung, ich wette auch darauf. Wir werden ihre Technologie verwenden." Er versucht einfach nur dafür zu sorgen, dass der Plan Erfolg hat. Er versucht, sich von dem Traum zu lösen, den er hatte, und von dem Ort, von dem er dachte, dass sie dort bleiben würden. Er versucht einfach nur, das Beste aus einer ziemlich schlechten Situation zu machen.
Maureen Ryan: Zylonische Technologie zu verwenden, sie in die Schiffe der kolonialen Flotte einsetzen - ich kann absolut verstehen, dass die Leute das nicht für eine gute Idee halten.
Ron Moore: Ja.
Maureen Ryan: Es ist eine Sache, auf militärischer Ebene mit ihnen zusammenzuarbeiten, aber ihre Technologie an Bord bringen...? Das verstehen sie nicht wirklich...
Ron Moore: Oh ja. Zu Beginn der Serie sagt Adama, dass er auf der Galactica keine Computer, die miteinander vernetzt sind, einbauen würde. Das war den Leuten wirklich wichtig. Darum sind sie vor 50 Jahren untergegangen. Ihre eigene Technologie hatte sich gegen sie gewandt, und nun werden sie dazu aufgefordert, diese Technologie zu nutzen, um zu überleben. Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, dass einige da sehr irritiert reagieren werden.
Maureen Ryan: Mir fällt es schwer zu glauben, dass Adama das tun wird. Er ist so ein Typ, der mit Sicherheit einen Herzinfarkt bekommen hätte, wenn er gesehen hätte, wie Gaeta in der zweiten Staffel die Computer miteinander verbunden hat (wenn er nicht auf der Krankenstation gelegen hätte).
Ron Moore: Ja.
Maureen Ryan: Aber glauben Sie, dass seine Werte, seine Toleranz, sich verändert haben?
Ron Moore: Ja, ich vermute, er verändert sich, er versucht es zumindest - jetzt geht es nur noch darum, den anderen einen Schritt voraus zu sein. Aber wie Sie sehen werden, wird er immer noch Grenzen ziehen in Bezug darauf, wie weit er der zylonischen Technologie vertraut. Er hat nicht wirklich zylonische Technologie an Bord der Galactica installiert. Er sagte: "Diese anderen Schiff in der Flotte - vielleicht werden wir sie mit zylonischer Technologie ausstatten."
Maureen Ryan: Und er sieht es wahrscheinlich so: Die zylonische Flotte steht genauso unter Druck wie die koloniale Flotte. Sie können nirgendwo hin, werden sie da die einzigen Alliierten verärgern, die sie im ganzen Universum haben?
Ron Moore: Ich glaube, er hat das Gefühl, dass beide da zusammen drinstecken, auch wenn er ihnen nicht hundertprozentig vertraut, mehr so zu 90 Prozent.
Er versucht sich zu sagen, dass sie ganz schön auf die Nase gefallen sind, und zwar alle, alle zusammen, und versucht, das Beste daraus zu machen. Ich denke - ich weiß, dass er sie nicht aus den Augen lässt, aber seine Möglichkeiten schrumpfen. Er hat einfach nicht besonders viele Wahlmöglichkeiten. Und er hat auch keinen Grund, sich groß Hoffnung zu machen. Sie versuchen nicht, einen bestimmten Punkt zu erreichen. Sie können nur hoffen, dass sie zufälligerweise einen Planeten finden, auf dem sie leben können. Wenn man das so betrachtet, dann holt er sich eben Hilfe, wo er gerade welche bekommen kann.
Maureen Ryan: Ja, es ist einfach ein Teufelskreis, vermute ich. Bedeutet die unglaublich unkluge Aussage, die wir von Lee auf der Pressekonferenz hörten, dass Tigh zumindest ein paar Leuten von Ellen erzählt hat? Lee und Admiral Adama?
Ron Moore: Ja, die Vermutung ist, dass er es Adama erzählt hat, und dass Lee es weiß, ebenso wie Laura, also die höchste Führungsebene.
Maureen Ryan: Warum mussten Sie offenbaren, dass Nicky nicht das Kind vom Chief ist?
Ron Moore: Nun, wir arbeiten daran, einige Handlungsbögen aufzudecken und Antworten auf verschiedene Fragen zu liefern. Eine dieser Fragen war, ob Hera das einzige Hybridenkind ist, das einzige zylonisch-menschliche Kind. Wäre Nicky auch ein Hybrid gewesen, was hätte das dann bedeutet. Dann hätte es zwei davon gegeben. Es war für die Mythologie der Serie wichtig, dass Hera der einzige Hybrid ist. Das haben wir immer mehr oder weniger so gesagt.
Maureen Ryan: Sie mussten die Geschichte also neu anpassen...
Ron Moore: Ja, das mussten wir. Wir wussten, dass das ein Problem geben würde, als wir erst einmal entschieden hatten, dass Tyrol ein Zylone ist. Wir fragten uns, wie wir das lösen würden. Und dann sagte jemand, dass es sich irgendwann eben einfach herausstellt, dass Tyrol nicht der Vater ist. Und wir lachten. Und dann sagten wir uns, dass das eigentlich eine ganz gute Lösung ist. "Dann ist Tyrol eben nicht der Vater", und dann ging es weiter.
So ist die Serie eben. Wir steigen in das Spiel ein, dann nehmen wir uns ein bisschen Zeit, um uns anzuschauen, ob alles passt. Oder wir versuchen zumindest, es anzusprechen und passend zu machen, so dass das Mosaik immer noch stimmig ist.
Maureen Ryan: Heißt das, dass Cally den Chief betrogen hat? Waren die beiden zusammen, als sie mit Hot Dog rumgemacht hat?
Ron Moore: Ich glaube, Cottle sagte mal, dass sie schwanger war, bevor sie geheiratet haben. Ich glaube, sie hatte eine Art Beziehung mit Hot Dog, bevor sie und der Chief geheiratet haben. Aber das fällt alles in das Jahr, das wir ausgelassen haben, zwischen dem Ende der zweiten und dem Beginn der dritten Staffel.
Maureen Ryan: Wissen Sie, wenn ich so zurückdenke... irgendwie missfällt es mir, dass Cally eine Ehebrecherin gewesen sein soll. Sie hat genug durchgemacht.
Ron Moore: Ich denke schon, dass sie ihn betrogen hat. Die Intention war aber nicht, dass sie Tyrol betrügt. Es ging darum, dass sie eine Beziehung mit Hot Dog hatte, entweder vor oder nach ihrem Zusammenkommen mit Tyrol. Ich glaube, Tyrols Heiratsantrag war ein spontaner Entschloss. Sie war sehr überrascht und sagte ja, aber wahrscheinlich hat sie drei Wochen vorher das letzte Mal mit Hot Dog geschlafen, irgendwie so. Es war einer von diesen besonderen Umständen.
Maureen Ryan: Es hat Cally erwischt. Weil... na ja, die Liste der Dinge, die Cally passiert sind, ist lang...
Ron Moore: [Lacht] Ich weiß.
Maureen Ryan: Ich habe mir die vergangenen Staffeln noch mal angeschaut, und irgendwann kam mir die Theorie, dass ihr Jungs euch zusammensetzt und euch überlegt, was das Schlimmste ist, das in dieser Folge passieren könnte. Und ob es möglich wäre, dass es Cally passiert.
Ron Moore: [Lacht] Ich weiß.
Maureen Ryan: Also hatte ich gehofft, dass ihr nach ihrem Tod nichts Schlimmes mehr passieren könnte.
Ron Moore: Nein, nein, sie hat ihn nicht betrogen. Es ist halt einfach so gekommen.
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